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Der Schmerz bleibt

Der Schmerz bleibt immer

Friederike Rosenfeld schreibt über ihre tot geborene Tochter

 Von Yvonne L e g n e r

Münster-Hiltrup. Betroffenheit ist unweigerlich die erste Reaktion, wenn eine Frau erzählt, dass sie ihr Kind verloren hat. Friederike Rosenfeld musste diese Erfahrung machen. Ihre Tochter Regine starb mit fünf Monaten in ihrem Leib. Ein Trauma für die damals 38-jährige, für die ihre zweite Schwangerschaft zunächst ein unverhofftes Glück war. Auch heute, räumt die Mutter eines neunjährigen Jungen ein, gebe es Momente und Phasen, in denen sie die Traurigkeit überfällt. „Es reißt einen auch nach sieben Jahren noch ganz tief runter. Der Schmerz bleibt immer.“ Ihr offener Umgang mit dem Tod von Regine half und hilft Frauen, die Gleiches durchmachen mussten. Friederike Rosenfeld rief die Kontaktstelle „Sternschnuppe“ ins Leben, die Betroffenen Hilfe bei der ersten Krisenbewältigung gibt, und veröffentlichte jetzt ihre Biografie.

Der Buchtitel „Ich hätte dich so gern gekannt“ drückt Friederike Rosenfelds innigsten Wunsch aus und ist zugleich der Titel ihres Erfahrungsberichtes, der erst kürzlich im Lübbe-Verlag erschienen ist. „Eigentlich habe ich mehr für mich meine Gedanken und Empfindungen über den Verlust von Regine aufgeschrieben“, erzählte die Hiltruperin über die Anfänge. Als loses Skript wanderte ihr Werk, das sie binnen zwei Wochen nachts verfasst hatte, durch viele Hände von Frauen in der gleichen Situation. Nun ist es gedruckt. „Es gibt haufenweise Bücher über Trauerbegleitung, doch kaum Erfahrungsberichte, in denen sich Frauen wiedererkennen.“

Die Zeit nach Verlassen der Klinik bringt Friederike Rosenfeld knapp auf den Satz: „Der Junge war verstört und ich auch.“ Sie habe ihren damals zweijährigen Sohn Julian nur versorgt, selbst habe sie dahinvegetiert. Dass auch die Kinderseele Schaden genommen hatte, kam erst viele Jahre später heraus. Julian zeigte sich aggressiv, erprobte die Grenzen seiner Mutter. Wie weit konnte er wohl gehen, bevor auch er weggegeben würde? „Er hat gedacht, ich hätte das Baby in meinem Bauch nicht gewollt und es einfach abgegeben“, schildert Friederike Rosenfeld die Ängste ihres Sohnes. Heute weiß er Bescheid, malt Bilder für seine Schwester und begleitet seine Mutter auf den Waldfriedhof Lauheide.

Dort gibt es seit Mai 2001 einen Gedenkplatz für nicht beerdigte Babys, an dem Eltern um ihre tot geborenen Kinder trauern können. Der offene Umgang der Autorin mit dem Kindtot hat bei Stadtvätern und vielen anderen Menschen und Organisationen die Geldsäckel geöffnet. Seit einem Dreivierteljahr sind dort sogar Beerdigungen für Kinder auch unter 500 Gramm möglich. Die Bestatter im Stadtverband übernehmen die Kosten für die anonyme Beisetzung auf den angrenzenden Kindergrabfeldern. „Ich habe ein Umdenken in Münster festgestellt“, freut sich Friederike Rosenfeld, dass Ärzte und Klinikpersonal betroffenen Frauen nunmehr diesen Weg aufzeigen und eine Nachsorge machen. Bei der Hiltruperin war es 1996 anders. „Es ist unüblich, ein solches Kind zu beerdigen“, hieß es. In den Presswehen liegend musste sie entscheiden, was mit ihrem Kind weiterhin geschehen sollte. Es ging dann den üblichen Weg und wurde als Klinikmüll entsorgt. Diese Vorstellung ließ Friederike Rosenfeld nicht los und trieb sie an, den Gedenkplatz zu schaffen. „Irgendwann werde ich als Beraterin hoffentlich überflüssig“, nennt Friederike Rosenfeld das Ziel ihres ehrenamtlichen Engagements in der Kontaktstelle. 

Westfälische Nachrichten, am 15.05.2003



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