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Frühgeborene

11.10.2013
Lingen. Die Frühgeborenenmedizin ist ein hoch spezialisierter Zweig im Krankenhaus wie dem Bonifatius-Hospital in Lingen. Sie sollte nur in spezialisierten Zentren und bei stabilen Geburtenzahlen angeboten werden, wie dies in Lingen der Fall ist. Dies unterstrich Chefarzt Dr. Henry Bosse in einem Interview mit unserer Zeitung.Bosse machte gleichzeitig deutlich, dass dieses Angebot nur weiterbetrieben werden kann, wenn genug Fachpersonal beschäftigt wird und eine Finanzierung dieses großen Pflegeaufwands über die Krankenkassen bzw. Land und Bund gelingt.

Dr. Bosse, das Thema Frühchen-Versorgung ist seit Jahren in der Diskussion. Fachleute fordern, dass nur noch Spezialkliniken Frühgeborene behandeln dürfen. Wie haben Sie auf diese Forderung reagiert?

Die Geburtenzahlen liegen seit Jahren im eigenen Haus um ca. 1000 bis 1200 im Jahr, sodass eine kontinuierliche Erfahrung bei der Betreuung von Risikoneugeborenen und Frühgeborenen bestand und besteht. Bereits 1997 wurde unsere Frühgeborenen-Intensivstation baulich und apparativ so umgebaut bzw. modernisiert, dass sie den Auflagen in den späteren Jahren entsprach. Es wurde auf eine kontinuierliche Qualifikation der ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter geachtet, sodass wir heute drei Fachärzte für Neonatologie (Neugeborenenmedizin, Neugeborenenvorsorge) im Team beschäftigen, die die volle Weiterbildung besitzen und wiederum Neonatologen ausbilden dürfen. Seit über 15 Jahren werden Kinderkrankenschwestern zu „Fach-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen für Intensivpflege und Anästhesie“ an der Universität Münster qualifiziert. Bereits seit den 90er-Jahren nimmt das Bonifatius-Hospital an Qualitätssicherungsmaßnahmen teil. Seit 2011 besteht eine Kooperationsvereinbarung mit der Geburtshilfe und der Neonatologie der Universität Münster.

Was ist Bestandteil der Vereinbarung?

Darin ist die Zusammenarbeit mit dem Bonifatius-Hospital geregelt: Wissenstransfer und Ausbildung, gemeinsame Patientenbetreuung, Austausch von Assistenzärzten. So werden alle Schwangeren ab der vollendeten 23. Schwangerschaftswoche mit einem hohen Risiko für eine Frühgeburt in Münster betreut und ab der vollendeten 27. Woche zu uns zurückverlegt. Das Gleiche gilt bei erfolgter Geburt eines Frühchens. Das gesamte Perinatalzentrum bei uns ist seit 2012 zertifiziert und wird jährlich rezertifiziert. Deutschlandweit gehört Lingen damit zu den wenigen Perinatalzentren, die dieses Qualitätssiegel führen dürfen.

Wie sieht diese Kooperation in der Praxis aus, wenn eine Hochrisikoschwangere aus der Region im Lingener St.-Bonifatius-Hospital Hilfe sucht?

Nach der Einweisung in die Geburtshilfliche Abteilung in Lingen erfolgt gegebenenfalls nach Rücksprache mit der Universität der Beginn einer Behandlung auf höchstem medizinischen Niveau. Auch die eventuell nötigen sozialen Hilfestellungen werden vor Ort initiiert. Bei entsprechender mütterlicher und/oder kindlicher Indikation erfolgt die „In-Utero-Verlegung“ in das „Oberzentrum“ Universität Münster. Ab einer kindlichen Reife von vollendet 27 Schwangerschaftswochen garantiert das Bonifatius-Hospital eine Rückverlegung. Wird das Kind dann geboren, erfolgt die komplette Behandlung auf der hiesigen Neonatologie. Wird das Kind in Münster geboren, findet ab der vollendeten 27. Woche eine Kontaktaufnahme der Neonatologen aus Münster statt. Ziel ist es, einen günstigen Zeitpunkt für die sichere Rückverlegung mit heimatnaher Betreuung zu finden.

Welche Maßnahmen in personeller und technischer Hinsicht haben Sie getroffen, um dem Versorgungsauftrag auch weiterhin gerecht werden zu können?

Seit 2006 hat die Neonatologie in Lingen einen eigenen Leiter mit doppelter Vertretungsregelung. Es gibt ärztlicherseits ein Drei-Schicht-Modell. Ein Abholsystem für umliegende Krankenhäuser und Verbundhäuser ist etabliert. Die Geburtshilfe wird durch einen ausgewiesenen Perinatologen mit Vertreterin geleitet. Die Pflege sowohl in der Neonatologie als auch in der Geburtshilfe und im Kreißsaal ist schichtbedingt rund um die Uhr gewährleistet. Die Stellenbesetzung ärztlicherseits muss aber unbedingt gehalten werden, um den Versorgungsauftrag weiter zu erbringen. Die erneuten kompletten Umbau- und Sanierungsmaßnahmen in der Neonatologie werden im April 2014 beendet sein. Für diesen Zeitpunkt ist außerdem eine Aktualisierung des Maschinenparks auf universitäres Niveau geplant. Ziel ist eine Ausstattung identisch mit der Neonatologie der Universität Münster, damit die kleinen Patienten kontinuierlicher behandelt und versorgt werden können.

Wie sieht es mit dem Personal in der Pflege aus?

In der Pflege muss der Stellenschlüssel bezogen auf Mitarbeiterzahl und -qualifikation, in den nächsten zwei Jahren optimiert und den aktuellen Richtlinien der deutschen Ärzteschaft unter Mitwirkung der Krankenkassen angepasst werden, damit der in Lingen über mehr als zwei Jahrzehnte hervorragend umgesetzte Versorgungsauftrag auch in Zukunft erfüllt werden kann. Hierzu braucht man Unterstützung von der Öffentlichkeit, der Politik und der Krankenhausverwaltung: In einer Zeit, in der Pflegekräftemangel herrscht, muss spezielles Fachpersonal gewonnen und qualifiziert werden. Hier werden nicht nur auf das Bonifatius-Hospital erhebliche Kosten zukommen, die im gegenwärtigen System nicht abgebildet sind. Die Geschäftsführung hat diesbezüglich bereits im Juli des Jahres mit dem Bundesgesundheitsministerium Kontakt aufgenommen.

Ab wann ist eine Betreuung von Frühgeborenen im Lingener Perinatalzentrum möglich?

Baulich, strukturell, personell und vom Gesichtspunkt des Maschinenparks aus gesehen, entspricht die Perinatologie derzeit einem Perinatalzentrum Level I, das heißt: Im Notfall können Risikoneugeborene jeglicher Reife (ab der vollendeten 23. Schwangerschaftswoche) in Lingen fachlich korrekt behandelt werden. Dies gilt übrigens bereits seit über zwei Jahrzehnten so. Strategisches Ziel der Zukunft ist es auch, diesen Standard mindestens zu halten. Ab der vollendeten 27. Woche besitzt die hiesige Neonatologie die medizinische Akkreditierung der Behandlung – hier kann dann wieder die wohnortnahe Patientenversorgung greifen. Direktor Prof. Dr. med. H. Omran und Prof. Dr. W. Klockenbusch von der Uniklinik Münster untersteichen, dass gerade für Eltern eine wohnortnahe Versorgung wichtig sei und den Heilungsprozess unterstütze.

Gibt es ein Beispiel?

Bestes Beispiel ist ein vor eineinhalb Jahren aus dem St.-Bonifatius-Hospital entlassener Junge, der in der vollendeten 25. Schwangerschaftswoche in Münster zur Welt kam. Seine Mutter wurde zunächst in der Lingener Geburtshilfe behandelt, dann erfolgte eine Verlegung nach Münster. Nach der Geburt und der Beendigung der Langzeitbeatmung wurde das Kind, es heißt Theo, zur abschließenden Therapie und Betreuung ins St.-Bonifatius-Hospital zurückverlegt. Der Kontakt und die Zusammenarbeit aller beteiligten Ärzte sowie Pfleger aus Münster und Lingen sei vorbildlich verlaufen, war die Aussage der Eltern.


Siehe:
http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/419452/einsatz-fur-die-kleinsten-im-boni-in-lingen#

 



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