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Westfälische Nachrichten, 15. August 2002
“Regine war ein fertiger Mensch”
Stiller Platz auf Lauheide für Totgeburten unter 500 Gramm

von Maria Meik

Münster. Regine wäre nach den Sommerferien eingeschult worden. Sie ist nur 19 Wochen alt geworden. Ihre Mutter Friederike Rosenfeld hat ihr Mädchen tot zur Welt gebracht. Sie war außer sich, konnte es nicht begreifen und brauchte lange, um wieder zu sich zu finden.
  “Regine hatte Finger- und Fußnägel, es war alles dran, sie sah aus wie eine Puppe, war kein Gewebematerial, sondern ein fertiger Mensch”, erzählt die Mutter des achtjährigen Julians.
  Und da gibt es im Leben der 44-jährigen noch die kleine “Sternschnuppe”. Sie erlosch in der zehten Schwangerschaftswoche, als Friederike Rosenfeld vor vier Jahren eine Fehlgeburt erlitt. “Als ich erfuhr, dass ich schwanger war, hatte ich abends zuvor am Himmel eine Sternschnuppe gesehen”, sagt die frühere Architektin und heute Fremdsprachensekretärin, die 1997 die Kontaktstelle “Glücklose Schwangerschaft” aufbaute, die heute “Sternschnuppe” heißt.
“Damals habe ich schnell erkannt, dass es keine Anlaufstelle für Frauen in dieser schwierigen Situation gab. Ich hatte nur meinen kleinen Sohn und sonst niemanden”, erinnert sich die Hiltruperin, die schwere Depressionen durchmachte. Mit Hilfe kam sie aus dem dunklen Loch wieder heraus und sagte sich, dass ihr die Totgeburt irgendeine Mission aufgegeben haben müsste.
  Einen Schritt in die Vergangenheit tat sie, als sie auf Lauheide eine Skulptur von Dr. Kirchner aufstellen ließ, die die Aufschrift trägt “Den tot gborenen Kindern”. Unterstützung erhielt Friederike Rosenfeld von Pfarrer Kreutz aus Wolbeck, der im Mai vergangenen Jahres die Einweihungsfeier mit gestaltete und das Kirchenkonto für die Skulptur-Spenden in Höhe von 30 000 DM zur Verfügung stellte.
  Jetzt hat sie einen Schritt in die Zukunft getan. Denn in der Nähe der Skulptur wurde nun ein Kindergrabfeld eingerichtet, in dem Totgeburten unter 500 Gramm in kleinen Särgen kostenlos bestattet werden und die Eltern somit einen konkreten Ort für ihre Trauerbewältigung haben.
  “Am vergangenen Freitag hat die erste Beerdigung stattgefunden”, berichtet Friederike Rosenfeld, die bereits seit Anfang März die Zusage des Oberbürgermeisters hat, dass de Kontaktstelle “Sternschnuppe” Kindergrabfelder auf Lauheide für regelmäßige anonyme Sammelbestattungen geschenkt werden. Auf offene Ohren stieß die 44-jährige auch bei Wolfgang Averbeck, Vorsitzender des Bestatterverbandes.
  Wie bereits berichtet, besteht auch auf dem Zentralfriedhof die Möglichkeit für eine Bestattung von Föten auf dem Urnenfeld, das auf Initiative des Kirchenvorstandes St. Lamberti errichtet wurde. Münsters Be-statter haben sich bereit erklärt, die Särge kostenlos zur Verfügung zu stellen und für die Überführung zu sorgen.
  Friederike Rosenfeld liegt es nun am Herzen, dass die Kranken-häuser, Eltern die sich von ihrem toten Kind unter 500 Gramm verabschieden müssen, auf diese Möglichkeit der Beerdigung auf-merksam machen.
  Weiter sucht sie Pfarrer, die bereit sind, an jedem zweiten Sonnstag im Dezember - dem weltweiten Gedenktag für ver-waiste Eltern - einen ökume-nischen Gottesdienst in der Fried-hofskapelle zu halten, was auch ganz im Sinne der Fried-hofsverwaltung Lauheide ist. Einen Geistlichen hat sie schon mit Pfarrer Stefan Kreutz gefunden.
  Friederike Rosenfeld hat sich alles von der Seele geschrieben. Im April nächsten Jahres erscheint ihr Buch mit dem Titel “Ich hätte dich so gern gekannt”.
  
Sie ist die erste Ansprech-partnerin für Eltern, die ein Kind durch Fehl- oder Totgeburt oder aufgrund medizinischer Indikation verloren haben.

Großmutters Urne auf dem Kamin?
Kontrovers: Entwurf zum Bestattungsgesetz

Münster. Großmutters Urne auf dem Kamin: Man kennt es aus dem Kino. Entgegen der Würde des Toten? Oder langersehnte Libe-ralisierung? Auch in Münster schei-den sich die Geister am Entwurf des Bestattungsgesetzes.

Widerstand regt sich vor allem seitens der Kirchen: “Wenn jemand sagen kann, ‚ihr könnt meine Urne auf den Fernseher stellen’, ist die Würde des Menschen nicht gewahrt.“ Pfarrer Jürgen Hülsmann, Sprecher des evangelischen Kirchenkreises Mün-ster, fände es „verwerflich“, wenn an Stelle der Beerdigung die Entsorgung treten könne. Die Trauer um einen Menschen brauche obendrein einen Ort, der nicht privat sei. „Der verstorbene Opa hatte auch Kollegen und Freunde.“ Denen nehme man die Stelle des Gedenkens. Auch Weihbischof Ostermann sieht die Ehre der Toten gefährdet, wenn sich die Gesellschaft dem „Nützlichkeitsterror“ unterwürfe, der Mensch nur noch „entsorgt“ würde. Außerdem: „Was passiert, wenn die nicht mehr leben, denen dieser Tote etwas Wert war. Kommt die Asche dann auf den Sperrmüll?“

Für eine wichtige Liberalisierung nach Vorbild vieler europäischer Länder dagegen hält Wolfgang Averbeck, Vorsitzender des Stadtverbandes münsterscher Be-statter, diesen Plan der Landesregierung. „Dann hört der Verstorbenen-Tourismus auf!“ Dieser habe bislang einige Hinter-bliebene veranlasst, den Leichnam etwa nach Enschede zu überführen und dort die Asche abzuholen. Doch würde das Thema hochstilisiert. In den Niederlanden stellten nur knapp drei Prozent die Urne zu Hause auf. Hierzulande stehe dem außerdem wieder die deutsche Mentalität entgegen: „Formulare, Formulare...“

Aus hygienischen Gründen pro-blematisch sieht Averbeck die Abschaffung des Sargzwanges. Dieser und die aufsaugenden Stoffe in ihm seien aufgrund des Verwesungsprozesses notwendig. Wie eine Bestattung in Tüchern zu handhaben wäre, sei unklar. Die Gefahr einer psychischen Belastung für Friedhofsmitarbeiter sieht aus diesem Grund auch Wilhelm Klönne, Leiter der städtischen Friedhofsabteilung. Und fragt, wie dann etwa der Leichnam transportiert werden solle.

„Die einzelne Beerdigung könnte teurer werden“, erklärt Heiner Bruns, Leiter des Amtes für Grünflächen und Naturschutz. Nämlich dann, wenn die Zahl der traditionellen Bestattungen zurückgehe, die Stadt jedoch noch immer verpflichtet sei, große Friedhofsflächen bereitzustellen. Der größeren Freiheit für den Bürger werde jedoch bei Bedarf Rechnung getragen, etwa mit einem Feld, auf dem die Asche ausgestreut werden könne. Dieses müsse jedoch ethischen Anforderungen genügen, also dort „nicht morgens Asche gestreut und abends Fußball gespielt werden“, so Bruns.

„Einen Ort der Trauer“ könnten sich künftig auch Eltern schaffen, deren tot- oder fehlgeboren wurde. „Endlich“, sagt Friederike Rosenfeld von der Kontaktstelle Sternschnuppe, die Trauerbe-gleitung bei Tot- und Fehlgeburten anbietet. Für die Eltern sei eine individuelle Bestattung von enormer Bedeutung. „Der Tod des Kindes und das Recht auf Trauer werden anerkannt.“ Kerstin Heil

 

 


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